Der Veloyo Blog

von Valerie am

No Pain no Gain – drei Powerfrauen, die es sich lohnt zu kennen

Inspiriert vom sportlichen Spirit der olympischen Spiele in Rio, stellen wir euch drei beeindruckende Fahrradfahrerinnen vor: Beryl Burton, Marianne Vos und Laura Trott.

Women cycling
  • Beryl Burton - No Excuses

Beryl BurtonBeryl Burton Medal

Geboren und aufgewachsen in Leeds, war die Kindheit von Beryl Burton geprägt von Krankheiten: Herzrythmusstörungen, rheumatisch bedingtes Fieber… Niemand ahnte damals, was für eine Karriere der Britin im Radsport noch bevorstand.
Denn ihre Ärzte rieten ihr strengstens, körperliche Belastungen zu vermeiden.
Diesem ärztlichen Rat folgte die Britin allerdings nicht - denn Beryl Burton hatte Großes vor.
Neben dem Radsport arbeitete sie in den ersten Jahren auf einer Farm und zog ganz nebenbei ihre Tochter groß. Dennoch ließ sie keine Gelegenheit aus, um für ihren Erfolg zu trainieren - da können wir nur den Hut ziehen.
Doch nicht nur ihre Gesundheit legte ihr Steine in den Weg. Allein unter Männern und zu einer Zeit, in der Frauen im Radsport nur müde belächelt wurden, musste sich Burton immer wieder aufs Neue beweisen.
Umso interessanter und spannender, dass Beryl Burton bis heute als beste Radfahrerin der Welt gilt, welche auf eine 30-jährige Karriere zurück blicken konnte.
In ihrer gesamten Laufzeit als Rennradfahrerin gewann sie nicht nur 90 nationale Titel, sie wurde insgesamt sieben Mal Weltmeisterin. Gemeinsam mit ihrer Tochter Denise Burton stellte sie ganz nebenbei bei einem britischen 10-Meilen-Tandem-Rennen einen Rekord auf. Nach nur 26 Minuten und 25 Sekunden überquerte das Mutter-Tochter-Gespann auf dem Tandem die Ziellinie.
Der mit Abstand außergewöhnlichste Sieg von Burton war jedoch bei einem 12h-Rennen im Jahr 1967. Mit 277.25 zurückgelegten Meilen übertraf sie die Erwartungen der Zuschauer und stellte den Frauen-Weltrekord auf, der bis heute, fast 50 Jahre später, immer noch nicht gebrochen wurde. Der eigentliche Sieg für Burton bestand jedoch darin, dass sie ihren männlichen Wettbewerber Mike McNamara überholte, der bedeutend früher gestartet war. Somit stellte sie gleichzeitig auch einen Männer-Weltrekord auf, der erst zwei Jahre später gebrochen werden konnte. Es kommt ja nicht allzu oft vor, dass man als Frau einen Mann in sportlicher Hinsicht hinter sich lässt und so war auch die Britin etwas überrascht. Als kleine sportliche Geste reichte sie McNamara beim Überholen einen Lakritz Riegel…
Was uns besonders beeindruckt an Beryl Burton: Zu keinem Zeitpunkt ließ sie sich unterkriegen, besonders nicht von männlichen Skeptikern. Sie bewies immer wieder ihre körperliche, aber vor allem mentale Stärke - trotz gesundheitlicher Einschränkungen.
Dennoch, auch starke Frauen holt manchmal das Schicksal ein: Im Jahr 1996 erlag sie im Alter von nur 58 Jahren den Folgen eines Herzanfalls bei einer Trainingsfahrt.
Viele Leute glaubten nicht an Burtons Erfolg, doch als Frau einen Männer-Weltrekord zu brechen, beeindruckte dann auch die letzten Skeptiker und hat sie in unserer Liste der beeindruckenden Frauen ganz nach oben katapultiert.

  • Marianne Vos - It was meant to be

Marianne VosMarianne Vos Medal

Die Radrennfahrerin Marianne Vos,1987 in der niederländischen Provinz Nordbrabant geboren, ist eine weitere dieser bemerkenswerten Persönlichkeiten.
Früh entdeckte die Niederländerin ihre Liebe zum Radsport, als sie ihren Bruder Anton zu seinen Radrennen begleitete. Als sie am Rand stand und ihren großen Bruder anfeuerte, hätte sie sich am liebsten gleich selbst in den Sattel geschwungen.
Vielleicht war dies auch der Auslöser dafür, dass Marianne mit sechs Jahren ihr erstes Fahrrad bekam. Und als ob nicht anders zu erwarten: Mit nur acht Jahren bestritt sie bereits ihre ersten Rennen. It was meant to be - so die 29-Jährige heute.
Im Jahr 2001 begann dann ihre Karriere im Leistungssport: Den Aufstieg in die Elite der Frauenklasse gelang ihr im zarten Alter von 19 Jahren. Doch erst der Sieg bei der Road World Championship stellte ihr Leben, laut eigener Aussage, wirklich auf den Kopf. Obwohl die Niederländerin dem Radsport aus Leidenschaft und nicht etwa des Geldes oder Ruhms wegen verfiel, blieben ihre Auftritte in der Öffentlichkeit seitens der Presse nicht unkommentiert - mal stimmte ihr Outfit nicht, mal ihre Ausdrucksweise. Es dauerte zwei Jahre damit die Radrennfahrerin mit dieser Aufmerksamkeit umgehen konnte. Heute kann die zweifache Olympiasiegerin und zwölffache Weltmeistern über diese Publicity nur lächeln.
Nach zahlreichen Siegen passierte dann ein Unglück: Die Sportlerin verletzte 2015 ihre Achillesverse und zog sich einen Rippenbruch zu. Das Schlimme für die Kämpfernatur waren jedoch nicht die Schmerzen oder etwa der temporäre Ausfall, sondern vielmehr die Ungewissheit, ob sie überhaupt jemals wieder in die Pedale treten durfte. Doch wie als ob ihr Kopf dem Körper eine schnelle Genesung befahl, Marianne ist wieder zurück auf dem Fahrrad.
Insgesamt gewann sie bis heute 65 Goldmedaillen - and still counting. Denn Marianne Vos ist zurzeit bei den Olympischen Spielen in Rio. Ihr Ziel hat sie dabei ganz klar vor Augen: Ihren olympischen Titel verteidigen.
Doch die Powerfrau verfolgt nicht nur ihre sportlichen Zielen mit Leidenschaft, sondern möchte auch gesellschaftlich etwas verändern: Marianne Vos verlangt nach mehr und vor allem besseren Möglichkeiten Frauen den Radsport zugänglich zu machen.

  • Laura Trott - No Pain No Gain

Laura TrottLaura Trott Medal

Als spinning around like in a washing machine beschreibt die junge Britin das Gefühl, wenn sie mit 55km/h ihre Runden auf dem Velodrome dreht.
Der Name Laura Trott ist dem ein oder anderen wahrscheinlich bereits geläufig von den olympischen Spielen, die derzeit in Rio stattfinden. Doch wer ist die Wundersportlerin überhaupt? Die heute 24-Jährige Britin hatte von Anfang an nicht wirklich die besten Voraussetzungen für den Hochleistungssport. Denn schon früh erhielt sie Diagnosen wie Asthma oder ihrer Reflux-Krankheit. Doch anders als bei Beryl Burton, lautete die ärztliche Anweisung für Laura Trott: Sport, um die Lunge zu stärken.
Ihre große Leidenschaft fand sie als Kind daher im Trampolin springen. Als ihre Mutter das Fahrradfahren für sich entdeckte, als einfache Methode ihr Gewicht zu reduzieren, entdeckte Laura ihr Liebe zum Radsport. Regelmäßig begleitete die damals 8-Jährige ihre Mutter bei ihren Fahrradtouren.
Bereits 2010 erfolgte dann der Startschuss für ihre Karriere als sie bei der UCI Junior Track Cycling World Championship in Italien Gold holte. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London überzeugte die Britin dann zusammen mit ihrem Team. Sie holten nicht nur als Team Gold in der Kategorie der Verfolgung, sondern stellten auch bei jedem Rennen einen neuen Weltrekord auf.
Mit insgesamt zehn Titeln ist die Britin die bisher erfolgreichste Radsportlerin bei Europameisterschaften und eine der besten Track-Fahrerinnen der Welt - mit nur 24 Jahren.
I want to go to Rio 2016 and win the titels I got in 2012 verriet sie 2015 dem Cyclist Magazin bei einem Interview. Denn das Gefühl auf dem Podium zu stehen mit einer goldenen Medaille in der Hand ist das, was sie jeden Tag aufs Neue motiviert alles zu geben.

Natürlich sind diese drei Frauen nicht die einzigen, die im Fahrradfahren außergewöhnliches auf die Beine gestellt haben. Es gibt so viele, die tagtäglich beeindruckendes leisten und sich gegen Männer, Klischees und sich selbst durchsetzen. Hier war allerdings nur Platz für drei von ihnen - somit sollen sie repräsentativ für die sportlichen Möglichkeiten der Frauen stehen. Bitte mehr davon!

Bilder: Totals Women Cycling, Telegraph UK

Valerie

Über den Autor: Valerie

At a young age Valerie fell in love with long cycling tours on the weekend and moving around on two wheels. Nowadays she often doesn’t have the time for long trips. Still, she tries to take the bike whenever possible.