Der Veloyo Blog

von Frederik am

Tour du Faso - Ein Interview mit Regisseur Wilm Huygen

Ein Film über die Tour du Faso, ein Radrennen quer durch Burkina Faso. 1280 Kilometer. 40 Grad Hitze. Europäische Radsportler und afrikanische Lokalmatadoren, die sich über unbefestigte Straßen quer durch Burkina Faso kämpfen. Wir haben Regisseur Wilm Huygen ein paar Fragen gestellt.

Tour du Faso

1280 Kilometer. 40 Grad Hitze. Europäische Radsportler und afrikanische Lokalmatadoren kämpfen sich über unbefestigte Straßen quer durch Burkina Faso. Durch das Land, in dem das erste Geschenk eines jeden Kindes ein Fahrrad ist. Ein Fahrrad, um irgendwann mal als Sieger aus Afrikas größtem Radrennen hervorzugehen. Die Tour du Faso.

2011 drehte Wilm Huygen einen Film über die afrikanische Tour du Faso. Der Film erzählt über Radsport, Afrika und die Charaktere der Teilnehmer. Es geht um die Erfahrungen und das Erleben der Tour. Mit allen Höhen und Tiefen, mit kulturellen Unterschieden und vor allem auf sehr authentische Art und Weise. Wir haben den Regisseur Wilm Huygen zum Interview getroffen und er hat Rede und Antwort gestanden. Aber lest selbst.

Wie kam es zu der Idee eines Films über die Tour du Faso?

Natürlich erstmal durch mein grundlegendes Interesse am Sport. Ich bin mal auf einen Zeitungsartikel über das Rennen gestoßen und habe dann nachts auf Eurosport eine Reportage über das Rennen gesehen. Es wird ja nicht so viel darüber berichtet, aber dann war das Interesse geweckt. Durch die nähere Beschäftigung mit dem Thema und der Region habe ich dann die Möglichkeit gesehen, darüber einen Film zu machen.

Wann bist du dann das erste Mal nach Afrika geflogen?

Ich war genau genommen zweimal vor Ort. 2010 sind wir zur Recherche nach Burkina Faso geflogen und haben einen kurzen Trailer gedreht und Leute kennengelernt. 2011 war es dann soweit und wir haben die komplette Tour begleitet.

Wie lang hat der Dreh 2011 gedauert?

Knapp einen Monat, 25 Drehtage um genau zu sein. Aus dieser Zeit hatten wir insgesamt 80 Stunden Material zusätzlich zum Fernsehmaterial von den französischen Sportberichterstattern. Im Prinzip entsteht der Film dann im Schnitt nochmal komplett neu. Wie am Ende das Rennen ausgeht, das konnte man ja auch nicht wissen. Deswegen war auf jeden Fall der Schnitt ein sehr zeitintensiver Teil.

Du hattest ja zu Beginn auch einen anderen Protagonisten im Auge?

Genau. Mit dem hatten wir sogar in der Woche vor der Tour schon angefangen zu drehen. Leider wurde er dann aber drei Tage vor der Tour aus der Mannschaft geworfen. Wegen irgendwelchen nicht ganz durchschaubaren internen Hierarchie-Geld-Themen. Wir waren auf jeden Fall vor Ort, unser Fahrer war weg.

Und ihr auf der Suche nach Ersatz?

Wir mussten dann kurzfristig umschwenken und überlegen, wen wir stattdessen aus der Mannschaft begleiten. Lustigerweise sind wir dann ausgerechnet auf seinen Bruder gekommen. Der wiederum war einerseits ein super Protagonist, ist aber auf der anderen Seite auch lange mit gesundheitlichen Problemen mitgefahren. Er konnte in dieser Form also nicht an der Spitze mithalten. Wir konnten also nicht mehr die ursprünglich geplante Geschichte erzählen, dass er Chancen hat das Ding zu gewinnen.

Wenn man sich das so vorstellt: Jahre der Planung und Finanzierung hinter sich, endlich vor Ort, und dann ist plötzlich alles anders als gedacht. Bricht einem da nicht der Schweiß aus?

Ja, also das war schon so ziemlich das Worst-Case-Szenario. Eigentlich war alles ganz anders, als wir es 2010, beim ersten Besuch, erlebt hatten. 2010 waren wir hingefahren, da hatte zum ersten Mal seit sechs Jahren mal wieder ein Fahrer aus Burkina eine Etappe gewonnen. Das war damals ein riesen Ding und wurde total gefeiert, weil die jahrelang eigentlich immer chancenlos waren. Die Europäer haben in den vergangenen Jahren immer ohne großen Aufwand alles gewonnen. Die Franzosen sind sehr ehrgeizig. Die Holländer und andere hatten da eher die Einstellung: „wir machen Urlaub mit Fahrrädern“.

Wer hat in der Regel gewonnen?

Wie gesagt, eigentlich schon fast immer die Europäer. In den letzten Jahren waren es eben oft die Franzosen oder auch Belgier. Es gab sogar 1996 einmal einen deutschen Sieger. Das war aber auch ein Ex-Profi, der war eigentlich schon zu gut für die Tour.

Und wer war dann 2011 der Favorit?

In jedem Fall ein Europäer. Als wir dann da waren, war unser Protagonist weg und direkt vom ersten Tag an hatte Burkina das gelbe Trikot, hat die meisten Etappen gewonnen und hat das auch bis zum Ende nicht mehr hergegeben. Und die Deutschen waren dann alles andere als entspannte Urlauber, sondern eher eine super ehrgeizige Wettkampftruppe, die auch wirklich versucht hat zu gewinnen. Für den Film war das natürlich dramaturgisch eine schöne Sache. Aber man kann schon sagen, dass vor Ort wirklich alles anders war, als vorher gedacht. Sogar bei den Deutschen ist es dann ein anderer Protagonist geworden, als den, den wir vorher im Auge hatten.

Also ist es bei der Tour du Faso ganz normal, dass viele der Starter Europäer sind?

Die Tour gibt es ja seit 1987 und von Anfang an war schon das Ziel, auch europäische Teams einzuladen, zum Beispiel Frankreich und Belgien. Natürlich auch, damit die Tour auch vom Ausrichter, dem Staat, als Aushängeschild genutzt werden kann. Ein bisschen als Werbung nach draußen und um zu zeigen, dass es eben auch in Burkina sportliche Großereignisse gibt.

Verläuft die Tour eigentlich durch mehrere Länder?

Es ist ja eine Rundfahrt, oder besser gesagt eine Sternfahrt. Die Hauptstadt Ouagadougou liegt ja so ziemlich in der Mitte. Von dort aus ist es dann in der Regel so, dass eine Fahrt rausgeht und am nächsten Tag dann wieder zurück. Natürlich auch auf den Strecken, wo es eben auch gute Straßen gibt. Insgesamt umfasst die Strecke jedes Jahr zehn Etappen und circa eine Strecke von 1300 Kilometern.

Gibt es denn was das Equipment angeht große Unterschiede zwischen den Teams?

Also hätten wir vor zehn Jahren gedreht, dann wäre es noch extremer gewesen. Mit der Schaltung am Rahmen, keinen Klickpedalen und ganz sicher keinem Carbon. Außerdem waren die Räder damals sicher zehnmal schwerer. Inzwischen hat es sich ein bisschen angenähert. Der Staat hat auch ein bisschen investiert, weil die Fahrer zum Teil erfolgreicher waren als die Nationalmannschaft. Deshalb gibt es zwar heute immer noch ein paar Unterschiede, aber inzwischen auch schon einige Karbonräder. Aber es fahren auch Länder wie Togo oder Benin mit. Die fahren auch wirklich noch immer mit Rädern von 1980 und haben dann natürlich überhaupt keine Chance.

Gibt es denn auch wegen der äußeren Begebenheiten besonders viele Pannen?

Der Veranstalter stellt 190er von Mercedes und andere eher klapprige Kisten, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Alles schon eher improvisiert. Aber da werden dann schon ein paar Ersatzrahmen oder Reifen in den Kofferraum geschmissen. Ein paar Mechaniker sind auch immer dabei. Das Hauptproblem beim Rennen ist auch wirklich der platte Reifen. Der Straßenbelag ist schon sehr rau, und da leiden dann die Reifen.

Gibt es denn durch die Temperaturen viele Starter, die das Ziel nicht erreichen?

Es treten immer circa 100 Fahrer an und ein Drittel fällt dann in der Regel schon aus. Es gibt natürlich immer wieder Stürze und die sind dann oft schon ziemlich verheerend. Und bei den Europäern ist dann das häufigste Problem Magenprobleme. Mit Dehydrierung muss natürlich jeder aufpassen, aber die Sache mit dem Essen ist eben auch nicht zu unterschätzen. Es gibt dann auch Fahrer, die wollen da kein Risiko eingehen. Ein deutscher Fahrer zum Beispiel, der hatte dann wirklich für jeden Tag sein komplettes Essen dabei. Weil er einmal bei der Tour zuvor krank war.

Die Belastung ist schon heftig. Es gibt ja keine Berge, aber Wind und Hitze von oben. Und der Hauptteil der Etappe ist immer zwischen 10 und 12 wenn es so richtig heiß wird, die Belastung ist also echt 10 Tage absoluter Hochleistungssport. Viele Fahrer sagen dann auch, dass die Regeneration echt anspruchsvoller ist als das Fahren.

Erinnerungen?

Also was unglaublich toll war, ist das Publikum. Man kann sich vorher gar nicht vorstellen, dass es für die Menschen vor Ort wirklich eine so große Sache ist. Wenn man aus der Hauptstadt rauskommt, ist es natürlich nicht so voll wie an der Champs Elysée aber es stehen wirklich immer Leute an der Straße und winken und kommen von den Feldern an die Straße. Man findet schon immer wieder Highlights und Events, bei denen echt was los ist. Und die Freude und der Stolz, dass da etwas passiert und da Jemand hinkommt. Weil auch zum Beiuspiel Weiße eher seltene Gäste sind. Auch die Gastfreundschaft, die einem da entgegen schlägt, das war einfach total super.

Ich saß während der Touren ja hinten auf dem Pickup und konnte ja nichts machen, weil ich ja nicht die Kamera geführt habe. Ich hatte also immer zwei drei Stunden Zeit, mir das Ganze mal anzugucken. Und ich war dann auch immer schon eine Stunde vorher im Zielort und das waren schon für mich so die Momente, die ich am meisten genießen konnte.

Bild: Tour du Faso

Meistgelesene Artikel auf dem Veloyo Blog:

VANMOOF im Test

Aus Alt mach Neu

E-Bike Erfahrungsbericht

Veloyo in Berlin

5 Dinge, die für jedes Fahrrad wichtig sind

Frederik

Über den Autor: Frederik

Being a young boy Frederik could be found on the saddle of his bicycle more often than in school. He loves the feeling of freedom when cycling around, which is why he still chooses bike over bus at any time.